50 Meter sind 50 Meter!

Karte des Monats

Das Hochwasser kam schnell und es kam unerwartet. Warnungen erreichten einen Großteil der Bevölkerung nicht rechtzeitig und so richtete die Sinnflutartige Flutwelle in Ahrweiler mehr schaden und Verwüstung an, als jemals für möglich gehalten wurde. Selbst die Poststraße in Ahrweiler – eine als wenig gefährdet eingestufte Straße stand einen Meter unter Wasser.

Was sich wie eine Momentaufnahme der Flutkatastrophe aus der Nacht vom 14. auf den 15.7.2021 liest, ist tatsächlich ein kurzer Rückblick auf das Jahr 1910, als das letzte verheerende Hochwasser das Ahrtal heimgesucht hatte. Die parallelen zu der der aktuellen Naturkatastrophe, die insbesondere im Westen Nordrhein-Westfalens und dem Ahrtal schwere Verwüstungen angerichtet und mindestens 170 Todesopfer gefordert hat, sind jedoch auffällig.

Insbesondere die die fehlende oder mangelhafte Vorwarnung der Bevölkerung ist in der Presse in den vergangenen Tagen – zu Recht – heftig diskutiert und kritisiert worden. Fehlende oder nicht funktionstüchtige Sirenen, fehlende oder mangelhafte Informationen über die Nina-App des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), „versickerte“ Warnmeldungen des Hochwasser-Warnsystems EFAS sowie unspezifische Durchsagen der Feuerwehr wie „Wenn Ihr Auto in der Gefahrenzone stehen sollte, fahren sie es weg“* sind dabei nur einge von– so wie die Informationslage derzeit aussieht – zahlreichen Versäumnissen auf administrativer Ebene.

Ein Artikel des ZDF zu dem Thema hat dabei unser besonderes Interesse geweckt. So erhielten Nutzer im Landkreis Ahrweiler der Warn-App Nina des BBK am Mittwoch, den 14.07.2021 keine spezifischen Warnmeldungen bezüglich einer drohenden Flut. Nutzer der Katwarn-App des Fraunhofer-Gesellschaft erhielten in dieser Region um 23.09 Uhr lediglich die Warnung „Aufgrund der starken Regenereignisse sollen die Bewohnerinnen und Bewohner der Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig und Bad Bodendorf, die 50 m rechts und 50 m links von der Ahr wohnen, ihre Wohnungen verlassen.“

Geomarketing.de hat sich diesen 50-Meter Korridor um die Ahr mal etwas genauer angeschaut schnell wird auch dem Laien klar,  dass dieser Gefahrenkorridor jeglicher geografischen Grundlage entbehrt. Zur Veranschaulichung haben wir das Ganze einmal als Kartendienst aufbereitet (siehe Karte unten). Schnell wird erkennbar, dass sich von dieser Warnung kaum jemand davon angesprochen haben dürfte. In dem besagten 100-Meter Korridor liegen nämlich nur eine Handvoll Gebäude. Noch weniger nachzuvollziehen ist diese Warnmeldung, wenn man sich die Prognosemodelle für Hundertjährige- (HQ 100) und Extremhochwasser (HQ extrem) auf der Karte anschaut. Zudem liegt eine Auswertung von Satelitenbildern von COPERNICUS zur tatsächlichen Flut vor. Die Warnung bewegt sich hier vollkommen losgelöst von – zu dem Zeitpunkt schon vorhandenen – Katastrophenszenarien. Auch welche Einrichtungen von dem Hochwasser mindestens betroffen sein könnten wie z.B. Altersheime, wäre prognostizierbar gewesen.

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KARTE DER WOCHE

Hier finden Sie wechselnde kartographische Darstellungen der regionalen Verteilung aktueller Trends und Phänomene in Deutschland. Die Basisdaten wurden geocodiert, angereichert mit weiteren Marktdaten und mittels Small Area Methoden auf alle Regionen hochgerechnet.

An dieser Stelle muss aber auch darauf hingewiesen werden, dass das aktuelle Hochwasser bzw. die Flutwelle alle Vorhersagen bei weitem übertroffen hat. Warum selbst die Prognosemodelle für die Extremwettersituationen hier keine auch nur annährend adäquate Vorhersage gebracht haben, wird sicherlich auch noch zu klären sein. Um die Warnmodelle besser mit dem tatsächlichen Ausmaß der Überflutungen abgleichen zu können, versuchen wir derzeit Informationen zusammenzutragen, die wir dann ebenfalls in die Karten-App intergrieren können. Dies gestalltet sich auf Grund der aktuellen Informationslage nicht ganz einfach. Sollten unsere Leser hier Informationen, Kartenmaterial oder ähliches haben, würden wir uns freuen, wenn Ihr dieses mit uns teilen würdet.

Hinweis zur Methodik und Datenquelle:

Die hier eingebundende Karten-App wurde der Software easymap office der Firma infas LT erstellt und mit Hilfe des Ad-ons easymap explorer Online veröffentlicht. Der Kartendienst kann auch direkt über die url https://www.easymap-xplorer.de/view/a29539dc-19df-4061-85b2-6001177ec554 abgerufen werden.

Quellen der Layer sind:
– Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz (WMS Service)
– Copernicus Emergency Management Service
– Statistisches Landesamt RLP
– OpenStreetMap

Ein Kartendienst der die hochwassergefährendeten Gebiete bundesweit darstellt, ist hier zu finden: https://geoportal.bafg.de/karten/HWRM_Aktuell/?tabs=on#